100 Jahre GuL · Eindrücke von der Jubiläumstagung 

Mit über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Jubiläumstagung „100 Jahre Geist & Leben – Spiritualität in theologischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen“, die vom 17.-19.4.2026 in Frankfurt (Sankt Georgen) stattfand ein Highlight. Einige Eindrücke von P. Klaus Vechtel SJ

„Spiritualität in gesellschaftlichen, kirchlichen und theologischen Umbrüchen“ – so lautet der Titel der Tagung zum Jubiläum der Zeitschrift Geist & Leben. Die tiefgreifenden Transformationsprozesse, die unsere gesellschaftliche und kirchliche Gegenwart bestimmen, sollten in drei Tagen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten in den Blick genommen werden. Mehr als 90 Personen nahmen teil an der Tagung: Autorinnen und Autoren, Leserinnen und Leser sowie der Redaktionsbeirat von Geist & Leben; Jesuiten aus Frankfurt, München, Wien und Innsbruck; Menschen, die im Bereich von Seelsorge und Exerzitienarbeit tätig sind, Professoren und Professorinnen aus Sankt Georgen und vom Fachbereich 07 der Goethe-Universität sowie Studierende von Sankt Georgen, die im Rahmen eines Hauptseminars Systematische Theologie („Was ist Mystik?“) an der Tagung teilnahmen.  

Am Freitagabend stand – nach der Begrüßung durch den neuen (P. Klaus Vechtel SJ) und den scheidenden Schriftleiter (Dr. Christoph Benke) die Frage nach dem „gelingenden Leben“ im Mittelpunkt eines Podiumsgespräches, an dem die renommierte Autorin Nora Bossong („Die Geschmeidigen“, „Reichskanzlerplatz“), die Frankfurter Stadträtin und Dezernentin für Kultur und Wissenschaft Dr. Ina Hartwig und der Delegat für Zeitschriften und Exerzitien P. Stefan Kiechle SJ teilnahmen. P. Jörg Nies SJ moderierte das Gespräch, in dem vor allen Dingen der prozessuale Charakter des Lebens und seines möglichen Gelingens im Vordergrund stand wie auch Vorsicht eines Urteils, über das, was gelingendes Leben bedeuten kann. 

Der Samstag wurde nach dem Morgengebet (gestaltet von P. Dag Heinrichowski SJ) eröffnet mit dem Vortrag von Prof. Dr. Eva-Maria Faber (Chur) „Loinprès (Fernnah). Paradoxien des Geistes“. Der Vortrag reflektierte die Frage nach der Herausforderung und dem Stellenwert des Phänomens der religiösen Indifferenz. Die großen Fragen und Themen des Menschseins sind uns so nah, dass sie nicht umgegangen werden können. Zugleich sind sie in ihrer Größe auch so fern, dass eine (religiöse) Stellungnahme zu ihnen ausbleiben kann. Nach der anschließenden Diskussion gab es die Möglichkeit in verschiedenen Workshops von Prof. Dr. Sibylle Trawöger (Ästhetiktheorien und Gebetstheologie), Sr. Edith Kürpick (Die Relecture von Basistexten in Geistlichen Gemeinschaften) und Br. Dr. Andreas Knapp (Haben wir für Gott noch Worte?) in einen anregenden Austausch zu kommen. 

Am Nachmittag stellte der spiritualitätsgeschichtliche Vortrag des scheidenden Schriftleiters Dr. Christoph Benke (Wien) unter dem Titel „Wähle das Leben“ (Dtn 30,19) die Dimensionen von Wahl und Passivität, von Anerkennung der Realität in ihrer Abgründigkeit und Affirmation in den Vordergrund eines geistlichen Lebens. Die offene Diskussionsrunde, die P. Tobias Specker SJ moderierte kreiste einmal mehr um die Frage nach dem gelingenden Leben und dem Beitrag der Spiritualität in durch Umbrüche gekennzeichneten Situation von Kirche und Gesellschaft. 

Am Abend stand zunächst die Verabschiedung und Ehrung von Dr. Christoph Benke durch den Delegaten und die Mitglieder des Redaktionsbeirates im Mittelpunkt, der diese Aufgabe mit großer Sorgfalt und Engagement über zwölf Jahre ausgeübt hat. Eine anschließende Lesung von geistlichen Texten durch Br. Andreas Knapp, gerahmt von Musik (Norbert Hoppermann, P. Sebastian Ortner SJ und P. Klaus Vechtel SJ) rundete den Tag auf eine gelungene Weise ab. 

Zur Feier eines Jubiläums gehört auch der Dank an Gott, der den Sonntagmorgen mit der Eucharistiefeier eröffnete, welcher der Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, vorstand.  Bischof Overbeck betonte in der Predigt, dass in der gegenwärtigen Situation eine Verfälschung des Christlichen heute nicht in der Form eines offenen Atheismus geschieht, sondern durch die sakrale Überhöhung von Macht. Ein abschließendes Podium mit Bischof Overbeck und Mitgliedern des Redaktionsbeirates diskutierte die Rolle der Spiritualität für die Theologie aus der Perspektive der verschiedenen theologischen Fächergruppen: Prof. Dr. Margareta Gruber OFM (Neues Testament, Vallendar), Prof. Dr. Andrea Riedl (Mittlere und Neue Kirchengeschichte, Regensburg), Prof. Dr. Ralph Kunz (Praktische Theologie, Basel) und Prof. Dr. Klaus Vechtel SJ (Systematische Theologie, Frankfurt) reflektierten die Herausforderungen, Spiritualität, ihre Geschichte und theologische Relevanz im heutigen akademischen Kontext zu verorten. 

Die Zeitschrift Geist & Leben hat in ihrer hundertjährigen Geschichte immer den Zusammenhang von Spiritualität und theologischer Reflexion betont. Die Tagung zeigt auf eindringliche Weise, wie bedeutsam die Reflexion auf Fragen von Spiritualität in einem säkularen bzw. postsäkularen Kontext ist, und wie viele Menschen von diesem Thema bewegt werden. Mit der Bindung von Geist & Leben an Karl Rahner-Stiftungslehrstuhl für Spiritualität kann die Zeitschrift auch weiter im Schnittfeld von akademischer Reflexion und geistlicher Praxis profiliert werden.

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