Aus dem Archiv · Christusnachfolge bei P. Delp

Am 2.2.1945 wurde P. Alfred Delp SJ von den Nazis in Berlin-Tegel ermordet. An seinem 81. Todestag eröffnet Kardinal Marx das in München offiziell das Seligsprechungsverfahren für den Jesuiten. Heute wird der in München der Seligsprechungsprozess für P. Alfred Delp SJ eröffnet.

P. Roman Bleistein SJ (1928-2000) zeichnet 1995, anlässlich von Delps 50. Todestag, dessen Leben und Sterben nach und zeigt sein Verständnis sowie seiner Praxis der Christusnachfolge P. Delps auf, die schon in seinem Engagement im Bund Neudeutschland als Jugendlicher grundgelegt wurde: „Erste Einweisung in die Nachfolge Jesu dürfte Alfred Delp im Alter von 14 oder 15 Jahren empfangen haben, als er während seiner Gymnasialzeit in Dieburg in den Jugendbund Neudeutschland eintrat und nach kurzer Zeit die Verantwortung für eine Gruppe Gleichaltriger übernahm.“ (24)

In den großen Exerzitien seines Terziats, am Ende der Ausbildung im Orden, findet Delp Bestärkung in seiner Berufung als Jesuit und in dieser Form der Nachfolge: „Und als Summe fand er erneut zu seinem Leben als Jesuit, von dem implizit bereits die Rede war: ‚Gott setzt auf mich. Viel mehr als bisher davon überzeugt sein, daß Gott mich will als Liebenden und als Gesandten. Liebe zur Gesellschaft (Jesu, Anm. R.B.), die konkrete Form meines Berufes. Sie ist der Ort meines Heils‘ (1,260).“ (27-28)

In München, tätig bei den Stimmen der Zeit, solidarisiert sich Delp mehr und mehr mit den Menschen, die Orientierung suchten und Leiden zu erdulden hatten: „Die Christusnachfolge, bislang als spiritueller Weg der Vereinzelung mißverstanden, stellte ihn mitten in den Wirbel der Zeit, an die Seite der Niedergedrückten, der Verfolgten und Verlassenen. Er half, ohne zu zögern, und er beantwortete in aufrüttelnden Predigten ihre Fragen und riß die Verzweiflung empor in die große Hoffnung. Das große Herz, das er sich 1938 von Gott erbetet hatte, mußte sich in diesem alltäglichen, aufreibenden Dienst erproben lassen. Der Test der Liebe war wie immer der graue Alltag.“ (28)

Nach dem geplanten Attentat vom 20.7.1944 wird Delp, der mit dem Kreisauer Kreis seit 1942 in Verbindung steht, von der Gestapo verhaftet. Das Angebot, freigelassen zu werden, wenn er den Orden verließe, lehnt Delp ab. Am 6.12.1944 legte er vor P. von Tattenbach die Letzten Gelübde ab: „Delp war bis zu Tränen gerührt, konnte kaum weitersprechen und setzte dann in einem klaren und kantigen Schriftzug seinen Namen unter die Gelübdeformel: Alfred Delp, in carcere tegelensi. Delp bat, dieses Schriftstück gut zuverwahren; denn man habe ihm angeboten, er werde sein Leben retten, wenn er den Jesuitenorden verlasse. Delp war über diese Gnade der ‚vincula amoris'(4,39) gewiß auch deshalb sehr beglückt, weil sich sein Orden in dieser Extremsituation hinter ihn gestellt hatte. Er durfte wissen: er gehe diesen Weg der Nachfolge als Jesuit, verbunden mit vielen Mitbrüdern in der weltweiten Gesellschaft Jesu.“ (33)

Auch Angesichts des Todes verliert Delp seinen Glauben, seine Liebe und seine Hoffnung nicht: „Seine ungestüme Hoffnung bezog ihren Grund aus dem Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. So beendigte er seine Meditation an der Vigil von Weihnachten 1944 mit dem inzwischen klassischen Satz: ‚Laßt uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt‘ (4,195). Welche Ermutigung! Aus solcher Christologie bezog er seine Hoffnung. Sie war nicht das Ergebnis frommer Stimmungen, sondern einer Ausrichtung an der Solidarität Gottes mit den Menschen. Menschwerdung Gottes hieß für ihn ganz praktisch: Jesus Christus ist nahe. Ist mit dabei. Kein Mensch wird je allein gelassen.” (35-36)

Der ganze Text ist im Archiv zu finden.

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