Jeden Freitag begegnet dem betenden Menschen in den Laudes der Psalm 51. P. Johannes G. Gerhartz SJ (1926-2016) beschreibt ihn in einem Artikel aus dem Jahr 2013 als „zentrale[n] Text der grundlegenden biblischen Botschaft von der Erlösung und Gerechtmachung des sündigen Menschen durch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes.“ (385) Ein Psalm also, der wunderbar in die Fastenzeit passt. Die zentrale Bitte des Psalmisten „Erschaffe mir Gott ein reines Herzens und gib mir einen neuen, beständigen Geist“ (Ps 51, 12) legt P. Gerhartz in drei Schritten aus: Das Herz, das reine Herz, die Erschaffung des reinen Herzens.
Der ganze Text ist im Archiv zu finden.
„Beim Herzen geht es um die Mitte des Menschen; um das, was ihn im Tiefsten trägt und bewegt; um das, was ihm sein Schatz ist, was er auf keinen Fall preisgibt. Das Herz hält den Blutkreislauf in Gang. Spricht man im übertragenen Sinne vom Herzen des Menschen, so geht es also um dasjenige im Menschen, was ihn in Bewegung hält, ihn antreibt, dieses oder jenes zu tun. Es geht um die Motivation seines Lebens, um den inneren Antrieb und die Kraft, sich nach dem auszustrecken, was ihm wichtig ist.“ (386)
„Es ist ein Missverständnis, zu denken, ob ich ein reines Herz habe, sei eine Frage, die nur mit mir selbst und mit Gott zu tun hat. […] Das reine Herz ist rein vom Egoismus, vom ichbezogenen Denken. Einem Menschen, der ein reines Herz hat, geht es zuerst nicht um sich selbst, sondern um Gott und den Nächsten – und gerade darin wird er selbst Mensch. Jesus war ein Mensch mit ‘reinem Herzen’, das heißt: Er war ein Mensch für Andere, für Gott, seinen Vater, und für die Menschen. […] Das ‘reine Herz’ ist also das ungeteilte, das rein auf Gott und den Nächsten ausgerichtete Herz. Dies hat große Konsequenzen für das Leben des Menschen nicht nur in Bezug auf ihn selbst, sondern auch und gerade für sein Verhältnis zu Gott und den Mitmenschen. […] Ein anderes Missverständnis hat mit einem Wort zu tun, das Ps 51 zweimal (VV 4.9) gebraucht: ‘(ab)waschen’. Hier könnte man fälschlich meinen, der Schmutz, von dem das Herz rein gewaschen werden soll, sei etwas Äußerliches, etwas, das ‘abgewaschen’ werden kann, um das Herz davon frei zu machen, es rein zu machen. Ein reines Herz im biblischen Sinne gibt es nicht ohne eine wirkliche Verwandlung des Herzens.“ (388)
„Das ist die entscheidende Einsicht, die uns der Psalm vermitteln will: Ein reines Herz kannst du dir nicht schaffen, selbst nicht durch noch so gute, noch so ernst gemeinte Vorsätze. Das schaffen auch keine anderen Menschen, so sehr sie auch zu helfen bereit und befähigt sein mögen. Das schafft nur Gott. Ohne sie kommt der Mensch nicht zu einem ‘reinen Herzen’. […] Diese Einsicht und das entsprechende Verhalten daraus sind der erste, der grundlegende, der notwendige Schritt hin zu einem ‘reinen Herzen’. Sie regt ihn an, sein reines Herz von Gott zu erwarten, von Gott zu erbitten. Nichts anderes tut der Psalmist. Und darum betet die Kirche in ihrem Stundengebet immer wieder um ein reines Herz.“ (390)
„Die neue Schöpfung Gottes ist keine blasse Zukunftsidee, sondern hat in Jesus Christus bereits begonnen. Sein im Tod für uns durchbohrtes Herz war rein, frei von egoistischer Selbstbezogenheit. Sein Herz hat es nicht nötig, rein zu werden. Im Gegenteil, durch das Blut und das Wasser, die aus seinem Herzen fließen, will der Herr unser Herz rein machen. So sollen wir auch die Bitte an Jesus ‘Bilde unser Herz nach deinem Herzen’ verstehen. Wie auch in Ps 51 geht es um die Bitte der Neuschöpfung, des Von-neuem-geboren-Werdens. Die Bitte ‘Bilde mein Herz nach deinem Herzen’ fügt jedoch noch etwas hinzu. Sie sagt, wie dieses neue und reine Herz sein soll: wie das Herz Jesu, selbstlos und hingegeben an den Vater und die Menschen.“ (391)