Aus dem Archiv · Wider die Resignation

Mit dem Text „Wider die Resignation. Ostern als Tag der Hoffnung“ von P. Erhard Kunz SJ aus dem Jahr 1973 wünschen wir eine frohe, trostreiche und hoffnungsvolle Osterzeit! Seine Worte passen auch in unsere Zeit.

Der ganze Text ist im Archiv zu finden.

„Ostern ist der Tag der Umwandlung: Enttäuschte, verunsicherte und mutlose Menschen empfangen neue Hoffnung, und aus ihr heraus verändern sie ihr eigenes Leben, ihre Umgebung und schließlich eine ganze Welt. Nichts dürfte der Kirche heute notwendiger sein als eine neue Erfahrung solch österlicher Veränderung. Nur eine neue Begegnung mit dem Auferstandenen kann die weit verbreitete Resignation überwinden und die Fluchtbewegung aufhalten.“ (81)

„Ausgangspunkt der österlichen Umwandlung ist das Scheitern Jesu von Nazaret und der mit ihm verbundenen Erwartungen. Jesus, der die bedingungslose Liebe Gottes verkündete und in seinem Verhalten zur Geltung brachte, hatte sich nicht durchgesetzt. Im Kampf gegen ein andersgeartetes Gottesverständnis, das die Liebe Gottes an menschliche Bedingungen und Voraussetzungen (Gesetzeserfüllung, soziale Gegebenheiten undLeistungen) knüpfte und das vor allem von den Repräsentanten der religiösen und politischen Institutionen vertreten wurde, war er unterlegen.“ (81)

„Wenn Jesus in einer leidenden und bösen Welt Gott als bedingungslose und grenzenlose Liebe zur Geltung bringen will, dann wird er dem Leiden unddemErtragenungerechterGewaltnichtentgehenkönnen.Das Betroffensein von Not und Gewalt ist daher kein Einwand gegen das Anliegen Jesu, sondern ist im Gegenteil der Weg, wie in unserer Welt bedingungslose Liebe überhaupt wirksam werden kann. Das Gute, welches die Liebe anstrebt, kann in unserer Welt nur durch das Mit-leiden und durch das Aus-leiden des Bösen hindurch erreicht werden.“ (82)

„Wenn die heutige Resignation und Unsicherheit in der Kirche christlich überwunden werden soll, kann dies nur dadurch geschehen, daß die österliche Erfahrung der Jünger erneut lebendig wird. […] Auch bei uns wird daher die Enttäuschung über das Ausbleiben des Reiches Gottes vor allem durch ein neues Verständnis der in Jesus erschienenen voraussetzungslosen und bedingungslosen Liebe Gottes überwunden werden müssen. Gott wirkt in unserer Welt anders, als wir es von uns aus wünschen.“ (84)

„Das heute Mögliche wird ins Auge gefaßt. Die Sorge um alles andere kann man im Vertrauen auf Gottes größere Liebe fallen lassen (Mt 6, 25-34). Die Liebe im Sinne Jesu ist also konkret: sie konzentriert sich auf die konkrete Situation und wird in ihr tätig. Und sie läßt sich ohne falsche und illusionäre Erfolgserwartungen von der konkreten Geschichte führen, vielleicht bis ins Leiden und in ein gewaltsames Ende hinein.” (84)

Profil
Aktuelles
Archiv
Schriftleitung & Redaktionsbeirat
Menschen
Kontakt
Abonnement